BIG schrieb am26.09.2005 in der Rheinischen Post - Emmerich



Herman van Veen: Lebensfreude in allen Variationen




EMMERICH (BIG) Herman van Veen kann man eigentlich nicht kommentieren, man muss ihn erleben oder besser "sie" erleben: Die verschiedenen Personen, in die er sich auf der Bühne verwandelt. Den Mann, der pure Lebensfreude versprüht und leicht ironisch über sich schmunzeln kann, wenn sich beim Gliederschütteln seine nicht mehr ganz jungen Knochen melden, den Musiker, Sänger und Sprecher mit den unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten in der Stimme, Poet, Mimen, Clown, Liebhaber, Vater, Großvater und Kind.

Überraschende Perspektiven

Er ist Zweifelnder und Überzeugter, Mahner ohne erhobenen Zeigefinger aber mit der Fähigkeit, Dinge mit einer Kehrtwendung so plötzlich aus überraschender Perspektive zu beleuchten, dass seine Zuhörer - schon dabei, sich wohlig in einer ganz bestimmten Gemütslage einzurichten - erschrocken aufwachen und ihrer Verwirrung oft lachend, manchmal verstummend Herr zu werden versuchen.

Ein Grund, warum er sein Publikum so überzeugend mitnehmen kann, ist neben seinem Können vielleicht auch die Rolle die er auf der Bühne spielt, wo greifbar zu spüren ist, dass er umsetzt, was er so variationsreich fordert: das liebevolle Augenzwinkern für das unvollkommene, sich durch das Leben quälende oder tanzende, weinende oder lachende, stumme oder singende, hassende oder liebende, ängstliche oder zuversichtliche oder alles zugleich seiende, Individuum. Seine Ablehnung des wertenden Vergleichs zugunsten der Einmaligkeit eines jeden Menschen - schön, nicht schöner; weise, nicht weiser; grau, nicht grauer und schwarz, nicht schwärzer sondern anders, wie es in einem Text heißt.

Gut, van Veen ist Namensgeber und Zugpferd der Veranstaltung. Doch sobald die Show begonnen hat, merkt man, dass seine fünf Begleiter auf der Bühne - drei junge Frauen, zwei Männer - keine Hintergrundstaffage, sondern begabte, Multitalente sind, von denen jeder in Soloauftritten beweist, dass er bzw. sie das Publikum begeistern kann: Der offenbar junge und noch nicht im Programm mit Namen aufgeführte Akkordeonspieler Alec van "Kannitverstan", der Pianist Eric van der Wurff, Jannemien Cnossen mit Geige und Gesang, Wieke Garcia mit Perkussion, Harfe und schöner Stimme und die beeindruckende Gitarristin Edith Leerkes, die ebenfalls auch ihre Stimme hören lässt: Alle fünf musizieren nicht einfach nur, sondern machen Musik auf der Bühne zu einem hörbaren und sichtbaren, die Lebensgeister weckenden Erlebnis.